| Daten zur Geschichte der Mieterbewegung | Mieterverein Kassel |
| 1860/61 | Gründung der ersten Mietervereine im Deutschen Reich, meist in kleineren Orten, zunächst jedoch erfolglos; erst in Großstädten ausreichende Mitgliederbasis (z.B. 1868 Dresden, 1882 Leipzig, 1890 Hamburg), Anstoß zu den Gründungen: bereits bestehende Interessenvertretungen der Hausbesitzer und deren einheitliche Formularverträge sowie die Veröffentlichung schwarzer Listen mit Namen "unbequemer" Mieter. | |
| 1886 | | Gründung des "Casseler Mietervereins" durch Reichstagsabgeordneten Prof. Hüpeden, Prof. Sandrock, Stadtverordneten Beckmann und Stadtrat Kreiss, Geschäftsstelle in der Wolfsschlucht 2 |
| 1889 | | "Verein für Wohnungsreform e.V." vom Casseler Mieterverein gegründet |
| 1900 | Bürgerliches Gesetzbuch mit eigenständigen Mieterrechten: Einschränkung völliger Vertragsfreiheit, Schutz vor Kündigung und unmotivierter Mieterhöhung, Einführung des Grundsatzes "Kauf bricht nicht Miete"; Mieterschutzbestimmungen jedoch durch "freie Vereinbarung" zum Nachteil der Mieter abdingbar. Gründung des Verbandes Deutscher Mietervereine in Leipzig auf Antrag des Vorsitzenden des Mietervereins Kassel Prof. Sandrock. Ziele u.a. Einführung von Mietverträgen, die dem Mietrecht im BGB entsprechen und die Förderung einer gesunden Wohnungspolitik | Mitgliederzahl zwischen 500 und 1000 |
| 1902 | | Casseler Mieterverein gründet die "Allgemeine Wohnungs- und Spargenossenschaft zu Kassel GmbH" |
| 1904 | Mietertag in Coburg, auf dem Mietervereinen die Gründung von Baugenossenschaften angeraten wird. | |
| 1905 | | 6.Deutscher Mietertag in Kassel mit Vortrag von Dr. Friedrich Naumann über die "Wohnungsnot unserer Zeit"; Erscheinen einer Kasseler Mieterzeitung; Verein hat knapp 1000 Mitglieder |
| 1909 | | Übernahme des Namens "Verein für Wohnungsreform e.V." für den gesamten Mieterverein |
| 1912 | Forderung der Mietervereine nach Beschränkung des freien Kündigungsrechtes durch Vermieter (Mietertag Leipzig) | |
| 1914 | Gesetzliche Einführung kommunaler Einigungsämter zur Vermittlung bei Streitigkeiten zwischen Vermietern und Mietern | Geschäftsführer: Schulz-Welchhausen |
| 1917 | Mieterschutzverordnung "Bekanntmachung zum Schutze der Mieter" | |
| 1914-1918 | | Krieg lähmt jede Vereinstätigkeit |
| 1918 | Mietnotrecht, sog. Wohnungszwangswirtschaft; Wohnungsbeschlagnahme, Zwangseinquartierung und Zweckentfremdungsverbot für Wohnraum eingeführt | 1.Vorsitzender des Mietervereins, Prof. Sandrock, nach Hauserwerb zurückgetreten |
| 1919 | Weimarer Staatsverfassung mit Artikeln zur Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 115) und Recht auf eine den Bedürfnissen entsprechende Wohnung (Artikel 155) | Vorsitzender: Stadtbauführer Fiedler |
| 1920/21 | Reichsgesetze, wonach einige Bezirke zu Notbezirken erklärt wurden (mit verschärften Mieterschutzbestimmungen) | Geschäftsführer: Dr. Rouille |
| 18.04.1921 | | Wiedergründung als "Mieterschutzverein Kassel e.V.", dem der "Verein für Wohnungsreform e.V." insgesamt beitrat; im 1. Jahr bereits 3000 Mitglieder; Herausgabe der "Kasseler Mieterzeitung"; Geschäftsstelle in der Fünffensterstraße |
| 1922 | Reichsmietengesetz, wonach freie Vereinbarung der miete möglich, jedoch kann diese Miete durch einseitige Erklärung auf die sog. gesetzliche Miete gesenkt werden. Gesetzliche Miete bezieht sich auf Stichtagsmiete vom 1.7.1914 und kann nur durch landesbehördlich verordnete pauschale Zuschläge erhöht werden | 17. Deutscher Mietertag in Kassel im Zeichen der beginnenden Inflation, Mitgliederzahl ca. 9000 |
| 1923 | Reichswohnungsmangelgesetz mit Lockerung des Mietnotrechts von 1918; Mieterschutzgesetz, Kündigungsrecht als Grundlage des Mieterschutzes fixiert | Verlust des Vereinsvermögens durch Inflation |
| 1924 | Spaltung der Mieterbewegung in "Bund Deutscher Mieter" (Dresden) und "Reichsbund Deutscher Mieter" (Berlin), Grund hierfür sind weniger wohnungspolitische Aussagen als die Frage, ob sich die Mieterbewegung in Form einer eigenen Mieterpartei oder durch Unterstützung der Nationalsozialisten aktiv betätigen soll | Vorsitzender: Kaiser |
| 1925 | Errichtung einer Mieterbank, Diskussion um Baugenossenschaften für Mieter | Gründung des Landesverbandes der Mietervereine Kurhessen und Waldeck mit Sitz in Kassel, Vorsitzender: Horn |
| 1926 | | Gründung des "Mieter-, Spar- und Bauverein Kassel e.V." Geschäftsstelle Ständeplatz 6 |
| 1927 | | Vorsitzender: Kümmel |
| 1928 | | Neue Geschäftsstelle im Ständischen Haus, Steinweg 4; Vorsitzender: Heinrich Becker |
| 1930 | | Mitgliederzahl über 3000, Gründung der Mieterbaugenossenschaft Hessen eGmbH" |
| 1931 | Notverordnung mit Senkung der gesetzlichen Miete | Festakt in der Stadthalle; 35 Jahre Kasseler Mieterverein; Geschäftsführer: Paul Wilke |
| 1933 | Beginnende Gleichschaltung der Mieterbewegung unter der NS-Herrschaft | |
| 1934 | Deutscher Einheitsmietvertrag unter Mitwirkung des Zentralverbandes der Deutschen Haus- und Grundbesitzer und des Bundes Deutscher Mietervereine; Bund Deutscher Mietervereine (Dresden) alleinige Interessenvertretung aller Mieter | |
| 1935 | | Monatszeitschrift "Mein Heim" des Mietervereins Kassel und Umg. e.V |
| 1936 | Auflockerung des Mieterschutzgesetzes von 1923 außer Kraft; Mietpreisstop, Einrichtung von Mietpreisbehörden | |
| 1937 | Totaler gesetzlicher Mietpreisstop, Mieterhöhungen nur nach gesetzlicher Genehmigung. Diese Regelung galt bis 1963. | |
| 1938 | | Änderung des Vereinsnamens in "Mieterverein Kassel u. Umg.e.V." und Umzug der Geschäftsstelle in die Marktgasse 20 e (Landesverband bleibt im Steinweg 4), danach erneuter Umzug der Geschäftsstelle in die Wilhelmsstraße 15 |
| 1939 | Gesetz über die Mietverhältnisse mit Juden | |
| 1942 | Zwangsweise Vereinigung der Mieterbewegung mit dem Hausbesitzer-Verband; Mieterschutzgesetzgebung vor dem Hintergrund des Kriegsgeschehens | |
| 1943 | Wohnlenkungsverordnung, Wohnungszwangswirtschaft, Verordnung des Reichswohnungsministers, wonach Tätigkeit der Mietervereine, nicht jedoch der Hausbesitzer-Verbände untersagt wird | Totalausbombung der Geschäftsstelle in der Wilhelmsstraße |
| 1945 | Auflösung aller Vereine und Verbände - auch der Mieterorganisation - durch die Militärregierung | |
| 1946 | Zulassung der Wiedergründung von Mietervereinen; Zentralverband Deutscher Mieter mit Sitz in Köln in Britischer Zone zugelassen, Bund Westdeutscher Mietervereine in amerikanischer und französischer Zone mit Sitz in Wiesbaden genehmigt; Kontrollratsgesetz Nr. 18 (Wohnungsgesetz) verabschiedet, das Wohnraum lückenlos unter die Bewirtschaftung der Wohnungsämter stellt | |
| 25.1.1947 | | 1.Mitgliederversammlung nach dem Krieg mit 34 Teilnehmern im Gildehaus; Geschäftsstelle zunächst in der Wohnung des Mitarbeiters Rechtsanwalt Bippart, Querallee 21; Vorsitzender: Heinrich Becker, Geschäftsführer: Helmut Röse; 200 Mitglieder |
| 1950 | Erstes Wohnungsbaugesetz | rund 1000 Mitglieder; rund 1700 Beratungen durch 2 Rechtsberater |
| 1951 | Sog. "kleine Mietenreform", die teilweise Mieterhöhungen zulässt; Gründung des Deutschen Mieterbundes in Köln als Dachorganisation | |
| 1952 | | Umzug in eigene Vereinsgeschäftsstelle Holländische Str. 21 (Gildehaus) |
| 1955 | Erstes Bundesmietengesetz, womit Mieterhöhungen erleichtert werden, Mietbeihilfen bei sozialen Härten | |
| 1959 | | Vorsitzender: Albert Siemon |
| 1960 | "Gesetz über den Abbau von Wohnungszwangswirtschaft und über ein soziales Mietrecht" (sog.Lücke-Plan); durch dieses Gesetz umfassender Abbau des Mieterschutzes, Erleichterung von Mieterhöhungen, grundlose Kündigungen möglich ("zahlen oder ziehen"), weitere Mietpreisfreigaben in den folgenden Jahren | 5000 Mitglieder; 2723 Beratungen durch 3 Rechtsberater |
| 1961 | | Umzug in die Geschäftsstelle Brüderstraße 12 (Altmarkt) |
| 1962 | Geschäftsführer Helmut Röse wird Landesverbands- geschäftsführer | |
| 1964 | | Hessischer Mietertag in Kassel |
| 1965 | Erstes Wohngeldgesetz | |
| 1967 | | Vorsitzender:Franz Beinhoff; Anschluss der Mietervereine Arolsen u. Hess.Lichtenau |
| 1971 | Lücke-Plan außer Kraft, "Gesetz über den Kündigungsschutz für Mietverhältnisse über Wohnraum" und "Gesetz zur Verbesserung des Mietrechts und zur Begrenzung des Mietanstiegs" verabschiedet | |
| 1972 | | Hessischer Mietertag in Kassel |
| 1975 | Zweites Wohnraumkündigungs- schutzgesetz; soziales Mietrecht u.a. mit Kündigungsschutz für vertragstreue Mieter wird Dauerrecht im BGB; Mieterhöhungen nach gesonderten Verfahren zur Anpassung an ortsübliche Miete möglich | Änderung des Vereinsnamens "Deutscher Mieterbund - Mieterverein Kassel und Umg. E.V."; 4032 Beratungen durch 5 Rechtsberater |
| 1976 | | Hessischer Mietertag in Kassel |
| 1977 | | Vorsitzender: Helmut Schön |
| 1979 | 80 Jahre Deutscher Mieterbund: Feier in der Kasseler Stadthalle | 10000 Mitglieder; Leiterin der Geschäftsstelle: Ilse Röse; Anschluss der Mietervereine Hofgeismar und Großalmerode |
| 1982 | "Gesetz zur Erhöhung des Angebotes an Mietwohnungen" erleichtert Mieterhöhungen, ermöglicht Zeitmietverträge ohne Kündigungsschutz und verändert den Vergleichsmietenbegriff stark zu Lasten der Mieter; Gesetz verursacht starken Rückgang im sozialen Wohnungsbau | |
| 1986 | | Festakt zum 90jährigen Vereinsbestehen in der Stadthalle, ca. 12600 Mitglieder |
| 1987 | | Plötzlicher Tod des 1. Vorsitzenden Helmut Schön; Dr. Willi Hilfer wird kommissarischer Vorsitzender Geschäftsführer: Rainer Brinkmeier |
| 1988 | | Beitritt zur DMB-Mietrechts- schutzversicherung; |
| 1989 | Unterschiedliches Mietrecht auf bundesrepublikanischem und DDR-Gebiet | Erweiterung der Geschäftsräume in der Brüderstr.12 |
| 1990 | "Wohnungsbau- erleichterungsgesetz" mit Ermöglichung von Teilkündigungen; Einschränkung des Kündigungsschutzes, aber auch besserem Schutz bei Umwandlung in Wohnungseigentum | 6706 Beratungen durch 10 Rechtsberater |
| 1991 | | 15000 Mitglieder; Satzungsänderung, u.a. Mitgliedschaft auch für Wohnungseigentümer für selbstgenutzte Wohnungen möglich; Einführung der EDV-Anlage |
| 1993 | 4. Mietrechtsänderungsgesetz mit teilweisen Einschränkungen des Kündigungsschutzes, aber auch Bestrebungen mit dem Ziel der Miet-Preisbegrenzung | Regelmäßige "Kasselseite" in jeder Mieterzeitung |
| 31.12.1995 | | 17686 Mitglieder, 8186 Beratungen zzgl. ca. 600 schriftliche Auskünfte durch 11 Rechtsberater |
| 10.5.1996 | | Jubiläumsveranstaltung zum 100jährigen Bestehen des Mietervereins; Hessischer Mietertag in Kassel |
| 1997 | | 1. Kasseler Mieterforum |
| 1999 | | 2. Kasseler Mieterforum |
| 2000 | | Umzug der Geschäftsstelle in neue Räume am Königsplatz 59/Eingang Poststraße |
| 2001 | Mietrechtsreformgesetz, u.a. mit Kürzung der Kappungsgrenze für Mieterhöhungen von 30% auf 20%, aber gleichzeitiger Erleichterung von Modernisierungsmaßnahmen
Umzug des Deutschen Mieterbundes von Köln nach Berlin | 3. Kasseler Mieterforum |
| 2002 | | Mitgliederstand am 31.12.: 18.983 |
| 2003 | | 4. Kasseler Mieterforum "Die Zukunft des Wohnungsbaus aus Mietersicht - Wie wünschen sich Mieter ihre Wohnung?" |
| 2005 | | Beratungsstelle in Eschwege eröffnet. 5. Kasseler Mieterforum "Die Auswirkungen von Hartz IV auf dem Wohnungsmarkt" |
| Januar 2006 | Der Deutsche Mieterbund gibt den ersten bundesweiten Betriebskostenspiegel heraus | Beratungsstelle in Fritzlar eröffnet sowie Kooperation mit den Mietervereinen Borken und Melsungen vereinbart |
| Februar 2006 | | Wechsel in der Geschäftsführung des Mietervereins Kassel von Rainer Brinkmeier zu Ingo Groß |
| Mai 2006 | | Landesverbandstag in Bad Hersfeld: Der stellv. Vorsitzende Eberhard Fischer wurde mit der goldenen Eherennadel geehrt. Mit Oberbürgermeister Bertram Hilgen besucht erstmals seit Jahrzehnten ein Oberbürgermeister der Stadt Kassel die Geschäftsstelle des Mietervereins. |
| Oktober 2006 | | Die Öffnungszeiten werden erweitert: Mo-Mi+Fr 8.30 bis 16.30 Uhr, Do. 8.30 bis 18.30 Uhr und Samstag von 10.30 bis 13.00 Uhr |
| November 2006 | | RA Schwerdtfeger beginnt eine in Zukunft regelmäßig alljährlich einmal stattfindende Info-Veranstaltung für Gewerbemieter. |
| Dezember 2006 | | Mitgliederstand: 16.735 |
| März 2007 | | Der Vorstand besteht aus: Dr. Willi Hilfer, Eberhard Fischer, Sabine Brandes, Harald Kühlborn, Günter Morche, Ursula Sandrock und Henrich Werhahn. Eine umfassende Satzungsänderung wird beschlossen, insbeson- dere Erweiterung des Vereinszwecks, Öffnung für neue Personenkreise, Differenzierung der Mit- gliedschaften |
| April 2007 | | Der Vorstand setzt aufgrund der neuen Satzung eine neue Mitgliedsordnung in Kraft, die ermäßigte Beiträge für SGB II, XII Empfänger, Studenten, Schüler und Kurzmitglieder vorsieht |
| Mai 2007 | Auf dem Deutschen Mietertag in Stuttgart wird Dr. Franz-Georg Rips zum neuen Präsidenten gewählt | |
| Juni 2007 | | Eine hessenweite und kasselspezifische Mitgliederbefragung wird vorgestellt. Fazit: Die Mitglieder sind überdurchschnittlich zufrieden, in wenigen Teilbereichen besteht noch Verbesserungsbedarf (DMB 2011) |
| Juli 2007 | | Der neue DMB-Präsident Dr. Rips besucht anlässlich der Documenta 12 in Kassel die Geschäfsstelle des Vereins |
| Oktober 2007 | | 6. Kasseler Mieterforum "Klimaschutz und Mieterinteressen" |
| Dezember 2007 | | Der Mitgliederrückgang der letzten Jahre ist gestoppt mit einer schwarzen Null. Mitgliederstand: 16.751 |
| Juli 2008 | | Effizienter und moderner wird die Erreichbarkeit mit einer neuen Telefonanlage, Terminvergaben und telefonischen Beratungen nun gesonderten, direkt anwählbaren Nummern |
| Dezember 2008 | | Erstmals seit 6 Jahren ist der Verein wieder gewachsen. Mitgliederstand: 16.918 |
Januar 2009 | Die Wohngeldreform tritt zum 1.1.2009 in Kraft, erstmals werden auch Heizkosten bezuschusst | |
März 2009 | Ein neuer Name für den Verein: Die JHV beschließt die Umbennenung in "DMB Mieterbund Nordhessen" | Mitgliederstand: 17.000 |
| Oktober 2009 | | 7. Kasseler Mieterforum "Soziale Spaltung oder wohnungspolitische Verantwortung?" |
| März 2010 | | Mitgliederstand der Rechtsschutzversicherung im 22. Jahr: 10.000 |
April 2010 | | Eine neue, weitere Außenstelle im Landkreis Waldeck-Frankenberg wird in Frankenberg eingerichtet. |
| Oktober 2011 | Das traditionelle Mieterforum erstmals unter der alleinigen Trägerschaft des Mieterbundes Nordhessen. | 8. Kasseler Mieterforum "Gemeinsam statt einsam - alternative Wohnformen für Senioren". |